Direct Support – Halle

+++ AKTUELLES +++ Der Direct Support Halle geht in Standby-Modus +++ 05.09.2020

[Du wolltest fragen, ob du von uns Geld bekommen kannst? Kurze Info zum aktuellen Stand findest du am Ende von diesem Textblock.]

Liebe alle,

wir haben entschieden, mit dem Direct Support Halle in eine Art Standby-Modus überzugehen. Grund dafür ist, dass kein Geld mehr zusammenkommt.

Wir sehen unsere Arbeit wie die von einem kleinen Zahnrad in einer viel größeren solidarischen Gemeinschaft, wo alles nur solange funktioniert, wie sich die anderen ineinander greifenden Zahnräder auch bewegen. Wir kümmern uns gerne um die Koordinierung und Orga der Anfragen und Transfers um einen praktikablen Mechanismus zum freiwilligen Umverteilen zu schaffen, aber wir haben nicht vor, unsere Energie in Kampagnen zu stecken, um so etwas wie „Spendenbereitschaft“ zu erhöhen.

Wir haben nun einen Solitopf eingerichtet, der bestehen bleibt, und hier verlinkt ist: https://www.betterplace.me/direct-support-halle-solitopf

Sodass Menschen nach wie vor Geld, dass sie mit Leuten die es für existentielle Sachen benötigen teilen möchten, darüber umverteilen können. Wir haben nach wie vor Kontakt zu Leuten die dringend Geld brauchen, und unsere Email Adresse bleibt offen. Falls Geld in den Topf kommt, verteilen wir dies weiter, aber wir werden keine wöchentlichen Runden mehr machen und unsere social media Kanäle auch beruhigen.

Wir hoffen, dass damit die Möglichkeit zum freiwilligen umverteilen bleiben kann und sie vielleicht doch wieder mehr genutzt wird irgendwann.

Uns ist klar, dass für viele gerade Einkommen oder Teile davon wegbrechen und gleichzeitig von allen Seiten nach finanzieller Unterstützung gebeten wird. Gleichzeitig sehen wir in den aktuellen Verhältnissen für Leute, die keine (ausreichenden) Zugänge zu staatlichen Geldern haben, keine andere Möglichkeit als finanzielle Solidarität von denen, die ein paar Euro abdrücken können. Falls ihr Ideen habt, wie die Initiative nochmal mit frischem Wind anders aufgezogen werden könnte, meldet euch gerne. Wir können uns auch gut vorstellen, das Projekt an eine nächste Gruppe zu übergeben, so wie wir das Projekt im April von den Gründer*innen übernommen haben.

All das ändert natürlich nichts daran, dass wir schlussendlich die strukturellen Gründe anprangern. Armut und finanzielle Notlagen einzelner sind das Produkt unserer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systeme, sie sind vermeidbar, und sie gehören von politischer Seite gelöst.

Damit verabschieden wir uns erstmal in den Standby – ihr könnt uns jederzeit gerne schreiben (wir werden die Mails circa wöchentlich checken) und falls ihr motiviert seid, immer mal wieder andere auf den Solitopf aufmerksam machen.

Solidarische Grüße,
euer Direct Support Halle Team

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Falls du selber gerade dringend Geld brauchst, kannst du uns weiterhin eine E-Mail schreiben (coronadirectsupport_halle@riseup.net), wir werden circa einmal pro Woche antworten. Leider haben wir in den letzten Monaten kaum Geld zusammen bekommen, sodass viele Menschen, die mehrere hundert Euro brauchten, z.B. nur 5€ bekommen haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir dir gerade weiterhelfen können, ist also zur Zeit leider sehr gering, und wenn irgendwie möglich, versuche dich an andere Stellen oder Netzwerke zu wenden. Wir haben hier eine Linksammlung, die dabei vielleicht hilfreich ist.

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+++ alle weiteren / älteren Updates findet ihr hier ++

Die Situation rund um Corona bedeutet für viele ein Wegfallen ihres Einkommens oder großer Teile davon.

Die Krise verstärkt bestehende Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten: Nicht alle haben Anspruch auf staatliche Hilfen, und nicht alle haben Herkunftsfamilien, Freund*innenkreise oder sonstige Netzwerke, die über akute finanzielle Nöte hinweg helfen können. Menschen aus (mehrfach-)diskriminierten Communities werden gerade an vielen Stellen am stärksten von der Krise betroffen, während privilegiertere Leute mehr Optionen haben, sich zu helfen.

Als Reaktion darauf organisieren wir den direct support Halle: um direktes, solidarisches Teilen und Umverteilen zu ermöglichen. Damit auch Menschen, die von staatlichen Hilfen nicht mitgedacht werden und keine Kontakte zu Leuten mit Geld haben, in finanzieller Not unterstützt werden. Damit Leute, die z.B. gesicherte Einkommen oder Vermögen haben, anderen Menschen, die akut Geld brauchen, einfach und unbürokratisch etwas abgeben können.

15.000€ umverteilt – direkt, unbürokratisch, solidarisch

Bisher umverteilt: über 15.000€ an mehr als 30 Menschen!

Aktueller Sammelfonds:

Den aktuellen Sammelfonds, zu dem du gerne etwas beisteuern kannst, findest du hier:

Link zur aktuellen Runde

Wir sammeln immer für konkrete Fälle – das heißt, wir sammeln nicht einfach darauf los und verteilen dann irgendwie weiter, sondern Menschen wenden sich an uns, sagen, wie viel sie gerade akut für den Monat brauchen, und dann nehmen wir sie in die nächste Sammel-Runde auf.

Nächste Runde:

Falls du gerade Geld brauchst, können wir in der nächsten Runde für dich mitsammeln – weitere Infos findest du hier.

für Student*innen (neu seit Ende Juni!):

Arbeitslosengeld/Grundsicherung

für Mieter*innen / Wohngeld Halle

Eltern/Kindergeld

für Sexarbeiter*innen

für (freiberuflich) Kulturschaffende, Künstler*innen

Für internationale Student*innen der Uni Halle:

Für Migrant*innen:

Wie funktioniert der Direct Support?

Wenn du akuten finanziellen Bedarf hast, die aufgelisteten Soforthilfen dir nichts bringen und deine eigenen Netzwerke dir finanziell auch nicht weiterhelfen können, schreib uns gerne an coronadirectsupport_halle@riseup.net!

Es gibt jede Woche eine neue Sammelrunde auf der crowdfunding-Plattform betterplace.me, wo der konkrete akute Bedarf von Leuten gesammelt wird, die sich an uns gewendet haben.

Am Ende der Woche überweisen wir dann immer alles Geld, was zusammengekommen ist, an die entsprechenden Personen weiter, und starten die nächste Runde für weitere Anfragen/Personen. Leider werden die Runden zur Zeit nicht oft nicht mehr voll. Wenn das der Fall ist, wird das Geld was da ist zu gleichen Teilen aufgeteilt.

Die Plattform betterplace.me behält 2,7% der gesammelten Summe, alles andere überweisen wir direkt an euch weiter und behalten nichts selber.

Falls ihr Fragen zu dem Vorgehen habt, schreibt uns gerne!

Du kannst Geld geben?

Hier findest du den aktuellen Sammelfonds, zu dem du gerne etwas beisteuern kannst: Link zur aktuellen Runde

Wer steckt dahinter?

Der Corona Direct Support Halle wurde ins Leben gerufen von „einer selbstorganisierten Gruppe von vier jungen Menschen, die nicht einfach zusehen wollen, wie Menschen in Existenz-Nöten alleine bleiben.“

Nach drei Wochen, in denen schon knapp 20 Menschen mit über 10.000€ unterstützt werden konnten, haben sie entschieden, das Projekt an neue Leute weiterzugeben.

Jetzt stecken wir drei hinter dem Projekt: Luisa, Kolja und Ida.

FAQ

Warum braucht es solche Unterstützung?

  • Weil es Menschen gibt, die in akuten finanziellen Notlagen sind, aber keinen Zugang oder kein Anrecht auf staatliche Unterstützung haben. Wenn dann keine Menschen im eigenen Umfeld sind, die mit Kosten für Miete, Essen, etc mal einspringen oder weiterhelfen können, sind die absoluten Basics bedroht – Wohnung, medizinische Versorgung, Essen, usw. Das darf unserer Meinung nach nicht passieren – und deswegen wollen wir schnelle, unbürokratische Unterstützung für solche Notsituationen organisieren, für die Fälle, wo alles andere nicht funktionert.
  • Menschen, die finanzielle Sicherheit haben, können diese durch die Initiative mit anderen teilen (oder: freiwillig solidarisch umverteilen).
  • Wir wollen dazu beitragen, uns als Gesellschaft so zu organisieren, dass wir uns gegenseitig aus Notsituationen helfen – bzw diese idealerweise verhindern.

Aber es gibt doch den Sozialstaat? 

  • Die Leistungen vom Sozialstaat sind aber an Bedingungen geknüpft, und nicht alle erfüllen diese Bedingungen. Kurzarbeitergeld bekommen z.B. nur Menschen, die vorher fest angestellt waren – wer auf Honorarbasis gearbeitet hat, kann wenn dann nur gute 400€ ALG II (HartzIV) beantragen. Unterstützung für die Miete kann nur bekommen, wer einen offiziellen Mietvertrag hat. Menschen ohne Papiere können nichts davon beantragen, und obwohl sie theoretisch trotzdem medizinische Versorgung bekommen müssten, funktioniert das in der Realität leider auch nicht. Viele Menschen geraten also trotzdem in finanzielle Notsituationen, die in einem „Sozialstaat“ eigentlich nicht existieren sollten. Das Sicherheitsnetz hat Löcher. Wir sind aber der Meinung, dass unabhängig von Formalitäten alle Menschen Anspruch auf eine gesicherte Grundversorgung und Existenz haben.

Und wer genau bekommt dann diesen direct support?

  • Mit dem Projekt sollen Personen unterstützt werden, die jetzt akut Probleme haben, grundlegende Dinge wie Miete, Krankenversicherung, Essen, Medikamente etc zu bezahlen. „Akut Probleme“ bedeutet dabei, die Leute haben keine Möglichkeit, Hilfe von Ämtern zu erhalten (z.B. aufgrund Aufenthaltssituation) und auch sonst kein Netzwerk (z.B. Herkunftsfamilie, Politnetzwerk, Follower auf Social Media), die gerade unterstützen können. (Siehe auch: https://maedchenmannschaft.net/so-sieht-solidaritaet-aus-umverteilung-in-zeiten-von-corona/)
  • Dabei sind wir darauf angewiesen, dass Leute die eigene Situation realistisch und solidarisch einschätzen.
  • Wir richten das Projekt ausdrücklich an Menschen, die von bestehenden Diskriminierungsformen betroffen sind. Diese sorgen dafür, dass Menschen unter Anderem auf Grund von (vermeintlicher) Herkunft, chronischer Krankheit, Be_hinderungen oder Gender-Identität ohnehin oft ungerechterweise in prekäreren Arbeits- und/oder Lebensverhältnissen leben als Menschen, die diese Diskriminierung nicht erfahren müssen – und oft weniger Zugänge zu staatlichen Hilfen haben.

Woher wisst ihr dass die Personen wirklich Geld brauchen?

  • Zunächst bitten wir alle, so viele andere Optionen wie möglich, an Geld zu kommen, zu prüfen. Dann vertrauen wir aber darauf, dass Menschen selber am Besten wissen, ob sie gerade dringend Geld brauchen oder nicht und dass sie solidarisch mit dem Angebot umgehen. Wir können und wollen keine „Bedürftigkeitsprüfungen“ durchführen. Der Direct Support soll schnelle Abhilfe schaffen, wo Lücken in formalen, bürokratischen Systemen sind – das geht glauben wir nicht, wenn wir mit derselben Misstrauens- und Kontroll-Logik funktionieren würden, und setzen deswegen stattdessen auf unbürokratisch, direkt, und vertrauen darauf, dass alle solidarisch und selbstverantwortlich handeln.

Wie arbeitet ihr konkret? 

Warum sagt ihr solidarisch umverteilen? Warum nicht spenden?

  • Einkommen, Vermögen und Sicherheiten (finanzielle, Anstellungsverhältnis etc) sind in unserer Gesellschaft sehr ungleich verteilt. Wir finden, es ist wichtig, das auf dem Schirm zu behalten, wenn wir darüber reden, Geld zu geben oder von jemand zu bekommen – Geld abzugeben, also umzuverteilen, kann dabei ein kleiner Schritt sein, Geld insgesamt einfach gerechter in der Gesellschaft zu verteilen.
  • Beim Begriff Spenden wird diese ungleiche Verteilung als Ausgangspunkt oft außen vor gelassen. Der Begriff wird außerdem oft in Zusammenhängen verwendet, wo Menschen, die Geld brauchen, als hilflos und unterwürfig dargestellt werden – dabei finden wir, dass es eher ein Versagen von unserer Gesellschaft ist, wenn die Grundversorgung von Einzelnen nicht gesichert ist, und nicht ein Versagen der Betroffenen.
  • Außerdem geht es bei Wohltätigkeit (eng verbunden mit Spenden) eigentlich immer nur darum, irgendwo kurz ein bisschen Geld hinzugeben, aber nichts an den strukturellen Gründen für das fehlende Geld zu ändern (also zum Beispiel daran, wie Geld in unserer Gesellschaft verteilt wird). Das ist unserer Meinung nach ein bisschen zu kurz gedacht. Mit umverteilen weisen wir auf die Idee hin, dass Geld (und Notwendigkeiten wie Wohnungen, medizinische Versorgung etc) vielleicht insgesamt so verteilt werden sollten, dass Menschen einfach in gar keine akute finanzielle Not kommen – auch außerhalb von Corona und anderen Krisen – und es Initiativen wie unsere garnicht geben sollte.
  • Ganz praktisch ist etwas Geld freiwillig umzuverteilen ist also das gleiche wie spenden, es geht uns nur um den Begriff.

Mitmachen

Wir freuen uns total über Leute, die uns helfen wollen, die Initiative am laufen zu halten!

Dabei ist klar, dass alle verschieden viel zeitliche Kapazitäten haben. Jede Unterstützung ist willkommen – ob längerfristig oder kurzfristig! Also meld dich gerne einfach bei uns wenn du Interesse hast: coronadirectsupport_halle@riseup.net

Sachen um die du dich zum Beispiel kümmern könntest: Übersetzungen machen oder organisieren, Grafikdesign, die Linkliste zu finanziellen Hilfen aktualisieren oder erweitern, Leute und Organisationen anschreiben, … Wenn wir mehr Leute sind, können wir vielleicht sogar noch mehr organisieren, z.B. die Vermittlung von alltäglicher Unterstützung (Einkaufen gehen usw).

Im Moment sind wir eine Gruppe von weißen, ableisierten, studierenden Menschen. Die Arbeit in diesem Projekt stellt uns natürlich in eine Machtposition gegenüber Menschen in finanzieller Not die sich an uns wenden (oder überlegen das zu tun), und wir würden uns sehr freuen, wenn hinter dieser Machtposition eine diversere Gruppe stehen würde als wir es momentan sind. Wir möchten deswegen unter anderem Menschen, die selber von Rassismus betroffen sind, Migrant*innen, Menschen mit unsicherem Aufenthaltsstatus, Menschen die chronisch krank sind oder be_hindert werden und Menschen die illegalisierter Arbeit nachgehen, besonders einladen, bei dem Projekt mitzumachen. Wir erwarten kein Vollzeit-Commitment, also meldet euch gerne, auch wenn ihr nicht super viel Zeit aber Interesse habt.

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Schreibt uns gerne, wenn ihr etwas ähnliches in eurer Stadt starten wollt (oder schon gestartet habt) und wir unterstützen oder uns austauschen können!